Indiens schwimmende Solaranlagen

Veröffentlicht am 07.04.2020 in Kategorie: verstehen
Indiens schwimmende Solaranlagen
Indiens erste schwimmende Solar Power Station in Kolkata

Indiens marode Stromversorgung wird zu einem immer größeren Problem. Schwimmende Solaranlagen sollen zukünftig für eine stabile Energieversorgung besonders in den Millionenstädten sorgen.

Indiens Solaranlagen lernen schwimmen

Stromausfall - Im Nobelrestaurant „Coromandel“ in Süd-Indiens  Touristenstadt Punducherry sitzt Indiens High-Society bei Trüffel Pommes und exotischen Cocktails plötzlich im Dunkeln. 2000 km entfernt, mitten in Indiens Hauptstadt Delhi, im armen Viertel Nizamuddins,  lernt die 11 jährige Sahra Nachts bei Kerzenlicht. In dem kleinen IT-Büro in der boomenden Trabantenstadt Gurugram, vor den Toren Delhis, werden von einer Sekunde zur anderen die Bildschirme schwarz. Verantwortlich für den rapiden Mangel an Elektrizität sind verschiedene Faktoren, die nicht selten auch den vielen Touristen den Urlaub in Indien verderben können.

Indiens rasant wachsende, aufstrebende Mitteklasse will auf Airkonditioner, Gefriertruhe und den Einkaufsbummel in hell- erleuchteten Shopping-Malls nicht mehr verzichten. Beleuchtete Autobahnen, Kricketstadien, Flughäfen, die Liste der Stromverschlinger eines modernen Indiens auf dem Weg in eine Industrienation ist lang- zu lang. Denn diesem Ansturm der zig Millionen Stromfresser ist das Stromnetz einfach nicht gewachsen. In über 300 Millionen Haushalten, so eine Studie des Ministeriums für Elektrizität, fällt trotz Netzanschluss der Strom täglich für 10 bis 15 Stunden aus. In den Megacities wie Delhi, Mumbai oder Hyderabad umgehen gut situierte Haushalte und Büros zu das Problem  sie eigene Generatoren installieren.Trotz dieses Stromengpasses verspricht Premierminister , Narendra Modi, Licht in selbst entlegenste Dörfer zu bringen und das in kürzester Zeit. Wird Indien in naher Zukunft ein energiehungriges Monster? Nach Schätzungen des Instituts für Energiewirtschaft und Finanzanalysen, IEEFA,  wird Indians Energiebedarf bis 2022 um nahezu 60 % ansteigen. Das heißt in absoluten Zahlen braucht es 50 Milliarden neue Strom-Einheiten. Im Zeitalter der Klimaerwärmung eine alarmierende Vorstellung.

Um zu beruhigen verspricht Modi auf zahlreichen Klimakonferenzen, das Land in eine erneuerbare Energie- Zukunft zu steuern. Ganz vorne steht dabei Solarenergie. Das Schwellenland, das bisher 70 Prozent seiner Energie noch immer aus Kohle gewinnt, soll nun in nur zwei Jahren enorme 175 GW aus erneuerbarer Energie gewinnen, davon 100 GW durch Solarenergie.Wie soll das gehen? Tatsächlich macht Indien auf dem Solarenergiebereich bereits große Fortschritte. Es ist eine der weltweit größten Produzenten erneuerbarer Energie. Nach dem Stand von September 2019 produziert  Indien bereits 103,68 GW aus non-fossiler Energie.

Dennoch, einfach wird es für Premierminister Modi nicht  will er seine Versprechungen erfüllen. In dem bevölkerungsreichen Indien wird der Erwerb großer Landflächen zur Installation neuer Solaranlagen immer teuerer. Ausserdem fehlt es in ländlichen Gegenden schlicht an Infrastruktur um die Solare Energie ans Stromnetz anzuschließen.

Im richtigen Moment kommt eine Technische Alternative zur herkömmlichen bodeninstallierten Solaranlage zu Hilfe. Das Zauberwort heißt Flotovoltaic oder auch einfach schwimmende Solar-Plattform. Noch steckt die seit 2014 existierende Technik global in den Kinderschuhen. Mit Brasilien und Japan als Vorreiter will nun auch Indien massiv in diese investieren. Indische Firmen planen bereits zahlreiche 100 Megawatt starke schwimmende Solaranlagen.Wie dies funktioniert: Die Solarmodule sind auf riesigen, auf der Wasseroberfläche treibenden Plattformen aus Eisenbeton befestigt, die im Boden verankert sind. Jede ruhige Wasseroberfläche ist dafür geeignet, Seen, Dämme, Flüsse, Kanäle oder auch Kläranlagen.

Einige Vorlaufsmodelle, wie im tropischen Kerala gibt es schon. Imsüdindischen Bundesstaat, wegen seiner unberührten Natur auch als „Land der Götter“ gepriesen, könnte es bald mit dem ungestörten Blick auf palmenumsäumte Seen und Flüsse, in denen sich Elefanten suhlen, vorbei sein.

Der Anfang ist bereits getan. Im Distrikt Wayanad schwimmt die größte Solaranlage Indiens. Auf dem künstlich errichteten Dam, dem Banasura Saga Reservoir, sind 1,25 acre Wasseroberfläche mit 1,938 Solar-Modulen, befestigt auf 18 Eisenzement Pantonen, bedeckt. Die erzeugte Strom- Kapazität beträgt 500 kWp (kilowat peak) Die Projekt-Kosten betrugen 9,25 crore. (1 croe ist 10 mal 100000 rupien also dann über 9 Millionen Rupien. Stimmt das? Bitte rechne um, ich bin darin schlecht der ind. Rupie steht ungefähr bei 80 cent )Seitdem sich diese Alternative gibt, ist die Euphorie in Indiens Solarenergiebereich riesig. Die neue Technologie verspricht ein enormes Potential. Die Rechnung heisst, wenn nur 25% der gesamten Wasseroberfläche von Indiens 50 größten Dämme mit Solarpanels bedeckt werden, dann ließe sich 200 GW zusätzliche Solar-Energie erzeugen. Durch die bereits vorhandene Stromnetz Infrastruktur für Wasserstrom kann dann die so gewonnene Energie problemlos eingespeist werden.

Aber auch in anderen Bereichen verspricht die Technik Vorteile:Durch den kühlenden Effekt des Wassers haben die Solar-Module eine längere Lebenszeit. Damit steigt die  Effizienz einer Anlage um 5-6 Prozent, im Vergleich zu ihren Artgenossen auf dem Land. Doch damit nicht genug der vermeintlichen Pluspunkte. In einem heißen Land wie Indien ist die Verdunstung von Wasseroberfächen enorm. Durch Flotovoltaic-anlagen verdampfen täglich 7 Liter Wasser pro Quadratmeter weniger.

Egal ob künstlich oder natürlich, kein Gewässer scheint mehr sicher. Das Deutsche Ministerium für Umwelt zusammen mit der deutschen EntwicklungsBank KFW investieren unter anderem in den Bau einer der größten schwimmenden Solaranlagen Asiens. Auf dem Kangsabati Fluss in West Bengal unweit von Kalkutta entsteht eine Flotovoltaic Anlage mit einer 500 MW Kapazität. Geplant sind ähnliche Anlagen in den Bundesstaaten Kerala und Maharashtra. Wie bei so vielen industriellen Großprojekten weltweit, ist ein rücksichtsloser und massiver Eingriff in eine unberührte Natur mit erheblichen Umweltproblemen die Folge.

Der Umwelt Experte Ravi Agarawal, Direktor der NGO Toxics Link, warnt vor einem Erkalten der Gewässer. Ohne  Sonnenstrahlen kein Plancktum, ohne Planktum keine Fische. Die schwimmenden Solaranlagen können die sensible Biodiversität verändern.

Darauf kann und will das indische Ministerium für Energie keine Rücksicht nehmen. Sie will sie auf fast allen großflächigen Wasserflächen - so ist es zumindest  geplant installierten.  Solaranlagen werden als Zukunft und Retter aus einer drohenden Energiekrise gesehen und sind angeblich  die perfekte und sichere Energiequelle wenn es darum geht genügend Elektizität  für die Zukunft Indiens bereit zu stellen.

Text: Dorothea Riecker

Foto: Energieversorgung Kerala/ PV ecosystem in Tamil Nadu

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