Dann kam Gloria

Veröffentlicht am 12.05.2021 in Kategorie: verstehen
Dann kam Gloria
auch Flamingos lassen sich im Eurodelta bewundern

Es ist eines der größten Natur- und Landschaftsschutzgebiete in Europa. Das Delta de l'Ebre im Süden von Katalonien. Geschaffen vom zweitgrößten Fluss Spaniens, dem Ebro. Es umfasst ein Gebiet von rund 33.000 Hektar, von dem 80 Prozent landwirtschaftlich genutzt werden und die restlichen 20 Prozent bilden ein für Europa unvergleichliches Naturschutzgebiet.

Im Delta liegt eines der größten Reisanbaugebiete Spaniens. Bis zu 90 000 Tonnen Reis der verschiedensten Sorten werden hier, nach biologischen Maßstäben, angebaut. Es ist eine friedliche Symbiose, die Landwirte und Naturschützer im Ebrodelta pflegen, Es ist aber auch ein Hot Spot der europäischen ornitologischen Kommunity, die hier eine Vogelvielfalt beobachten kann, wie es in Europa selten zu finden ist.

Die unterschiedlichsten Landschaftsstrukturen, unberührte Küstenstreifen, ein reichliches Futterangebot und viel Baumaterial für Nistplätze sorgen für die Vielfalt der Vogelwelt. Ein Natur belassenes Juwel, das in seiner Bedeutung als Rückzugsgebiet und Rastplatz  für Zugvögel eine wichtige Bedeutung hat.

Und dann kam Gloria

Anfang Januar 2020 wütete mit brutaler Gewalt der Wintersturm Gloria und vernichtet große Teile des Naturreservats, das mit seinen 360 Vogelarten zu den sechs von der EU ausgewiesenen katalanischen Schutzzonen gehört. Das Ökosystem einer der wichtigsten Feuchtgebiete im Mittelmeerraum wurde fast vollständig zerstört. Der Meeresspielgel stieg um 70 Zentimeter, 3.000 Hektar Reisplantagen wurden überflutet, schützende Dämme wurden vernichtet.

Der Ursache für diesen in seiner Zerstörungskraft bisher nicht gekannten Orkan, dürfte nach Ansicht der Fachleute, der Klimawandel sein. Um zukünftige Katastrophen im Delta zu vermeiden, müssen erheblich Veränderungen zum Beispiel im Deichbau und allgemein im Landschaftsschutz erzielt werden. Entscheidend aber ist, das die Artenvielfalt, das Zusammenleben von Landwirtschaft und Naturschützern, wieder eine Perspektive bekommen. Eine Millionen Euro hat Seat und VW der Nichtregierungsorganisation SEAO/BirdLife  zur Verfügung gestellt, um innerhalb von zwei Jahren die Schönheit dieser einzigartigen europäischen Landschaft wiederherzustellen.

Die Geschäftsführerin von SEO/BirdLife , Asunción Ruiz, versteht die Zerstörung des Ebrodeltas (und nicht nur  dieses) als eine existenzielle  Bedrohung für die Menschheit. „Unsere Gesundheit, unsere Wirtschaft und die Zukunft der nachfolgenden Generationen stehen auf dem Spiel. Mit der Wiederherstellung des Ökosystems im Ebrodelta stellen wir auch die Ökosystemdienstleistungen wieder her“. Ruiz erläutert weiterhin die Wichtigkeit des Deltas als Nahrungsquelle für den dort angebauten Reis, für den Fisch- und Muschelreichtum. Es schützt die Küstengebiete normalerweise vor Stürmen und Überschwemmungen. Es reduziert den Kohlenstoff und wirkt damit gegen den Klimawandel und es ist ein Magnet für den Tourismus im Naturschutzgebiet.

Es steht zu hoffen, dass das Ebrodelta als eines der wichtigen europäischen Naturparks dank des Engagements von Seat/VW und nationalen und internationalen Naturschutzorganisationen auch in Zukunft als Nist- und Rastplätze für über 300 Vogelarten erhalten bleibt.

 

Text: H.G.Fischer

Fotos: catalunya.com

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